Buchblinzler – Buch der Woche

Buchblinzler

“Wie konnte sie es wagen, mich so gegen sich aufzubringen? (…) Letztlich hat Alice nur das Schlechteste in mir zum Vorschein gebracht. Von einer Ehefrau hätte ich das Gegenteil erwartet. Trotz allem habe ich sie sehr gemocht, auf meine Weise.”

Das klingt nach den typischen Ausreden eines Schlägers, der sich als Opfer seiner Frau sieht, die ihn provoziert und zu Reaktionen treibt, die er eigentlich gar nicht will.
Der angesehene Kinderbuchautor Oliver hat gerade seine Frau ins Koma geprügelt. Eine miese Kindheit, immer wieder die Ausrede für brutales Verhalten, hat er auch vorzuweisen.
Ein normaler Fall von häuslicher Gewalt also? Nein, so einfach ist dieser Fall nicht.

Ein Teil des Buches wird aus der Sicht von Oliver erzählt, der ein fürchterliches Frauenbild hat und auch sonst ein hassenswerter Zeitgenosse ist. Allerdings ahnt man am Anfang noch nicht, welch fürchterlichen Abgründe noch in diesem Charakter stecken.

Neben Oliver kommen auch andere Personen aus dem Umfeld des unglücklichen Ehepaares zu Wort, und so wird nach und nach eine vielschichtige und erschreckende Geschichte entblättert.

Ein Teil davon wird von Barney erzählt, der mit Alice eine Beziehung hatte, bevor sie Oliver kennenlernte. Er hätte sie gern geheiratet und sich auch um ihren geistig zurückgebliebenen Bruder Eugene gekümmert. Leider hat er nicht genügend um sie gekämpft.

Michael, der Bruder von Laura, mit der Oliver vor Alice zusammen war, hat schon früh gemerkt, dass Olivers Herkunft sein wunder Punkt ist. Auch er bekommt eine von Olivers unangenehmen Seiten zu spüren.

Véronique, auf deren Weingut Oliver, Michael und Laura einen Sommer lang gearbeitet haben, erzählt von den schrecklichen Ereignissen im Jahr 1973.
Stanley, der Oliver aus dem Internat kannte, trägt ebenso zur Geschichte bei wie Lauras Bruder Eugene, Olivers Geliebte Moya und Olivers Halbbruder Philip.

Dieser Debütroman hat mich von der ersten Seite an völlig begeistert. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven wird man direkt in das Geschehen gezogen und taucht immer tiefer in die spannende Geschichte ein.

Der Schreibstil passt sich den jeweiligen Personen an, ist dabei jedoch immer flüssig und gut zu lesen. Die Charaktere sind lebendig und authentisch, und die Geschichte, so ungewöhnlich sie auch daherkommt, ist glaubwürdig.

Spannend, voller Überraschungen und erschreckend sorgt dieses Buch für eine durchlesene Nacht und wirkt lange nach.